Alternativbericht Bündnis Istanbulkonvention: Deutschland wird seinen Verpflichtungen zum Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt nicht gerecht.

25. November 2025

»Übergriffe passieren oft bei Premieren, Feiern, auf Reisen« [Interview in der Zeitung DIE ZEIT mit Maren Lansink und Martina Zöllner]

10. Juni 2026

Wachsende Anzahl körperlicher Übergriffe

9. Juni 2026


Berlin, 9. Juni 2026. Themis, die Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt in der Film-, Fernseh-, Musik- und Theaterbranche legt Zahlen aus 2025 sowie dem ersten Quartal 2026 vor. Das Team der Beraterinnen hat 2025 insgesamt über 600 Beratungsgespräche geführt, darunter 105 Erstberatungen. Bei 57 erstberatenen Personen handelte es sich um Betroffene sexualisierter Belästigung, die sich an die Themis Vertrauensstelle wendeten, 38 Personen suchten als oder für Arbeitgeber:innen Beratung und sieben waren Zeug:innen eines Übergriffs, drei Anrufer:innen fielen unter keine der oben genannten Kategorien.

Auffallend an den nun erhobenen Zahlen ist das sich verändernde Verhältnis von Fällen nichtkörperlicher sexueller Übergriffe (‚verbaler/non-verbaler oder digitaler sexueller Belästigung und Gewalt‘) zu Fällen ‚körperlicher sexueller Belästigung‘ und ‚Vergewaltigungen‘. Waren es unter den Erstkontakten 2024 noch mit 68 Fällen in der Mehrheit Fälle von nichtkörperlichen sexuellen Belästigungen bei 44 körperlichen sexuellen Belästigungen sowie 17 Vergewaltigungen, hat sich das Verhältnis 2025 gedreht: Von den 105 Erstkontakten suchten 55 Betroffene Beratung wegen körperlicher sexueller Belästigungen und 13 wegen Vergewaltigungen und nur noch 37, also etwas mehr als 1/3, Hilfe wegen ‚verbaler/non-verbaler oder digitaler sexueller Belästigung und Gewalt‘.

Der Trend setzt sich 2026 fort. Bereits 20 Hilfesuchende haben sich in den ersten drei Monaten 2026 wegen körperlicher Übergriffe an die Themis Vertrauensstelle gewendet. Und das 1.Quartal 2026 zeigt im Verhältnis zum Vorjahr einen steigenden Beratungsbedarf. So wurden von Januar bis Ende März bei insgesamt 184 Beratungsgesprächen schon 42 Erstkontakte gezählt, auf das Jahr hochgerechnet also über 160. Weitgehend gleichbleibend stellte sich das Verhältnis der Anzahl juristischer Beratungen zu den angefragten psychologischen Beratungen dar: von etwa 1/3 psychologische Beratung zu 2/3 rechtlicher Beratung.


Die Themis Vertrauensstelle hat zudem 2025 ihr Angebot an Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Unternehmen und Institutionen der Kultur- und Medienbranche erweitert, darunter auch neu konzipierte Module für Beschwerdestellen. Arbeitgebende erhalten so die kostengünstige Möglichkeit, ihre gesetzlich zwingend erforderlichen Beschwerdestellen im komplexen Thema der sexuellen Belästigung zu qualifizieren.


Martina Zöllner, seit 2025 Präsidentin der Themis Vertrauensstelle: „Das ausgesprochen ehrgeizige Ziel der Themis war es von Beginn an, einen Kulturwandel in den Kreativbranchen anzustoßen. Das ist uns offenkundig noch nicht ausreichend gelungen. Das Ausmaß sexueller Belästigung und Gewalt im Kultur- und Medienbereich ist nach wie vor erschreckend. Die hohe Zahl an Anrufen zeigt aber auch, dass die Themis in den von ihr betreuten Branchen inzwischen ein gewisses Maß an Vertrauen besitzt. Die Themis bietet ein niedrigschwelliges Beratungsangebot, das sachkundig und mit branchenspezifischer Unterstützung Betroffenen dabei hilft, eigenverantwortlich und selbstbestimmt Entscheidungen für den für sie richtigen Umgang mit dem Vorfall zu treffen. Es scheint sich die Erkenntnis durchzusetzen, dass wirkliche Veränderungen sich nur ergeben, wenn die Kultur des Schweigens durchbrochen, auf die Vorfälle aufmerksam gemacht und eine echte Verhaltensänderung eingefordert wird.
Die Zahlen bestätigen erneut, dass von sexueller Belästigung und Gewalt überwiegend Frauen betroffen sind. Die Anzahl der bei der Themis Vertrauensstelle gemeldeten Übergriffe an Frauen überwog mit über 70% deutlich. Umgekehrt gingen Belästigungen oder Missbräuche in über 80% aller Fälle von Männern sowie in der großen Mehrzahl der geschilderten Belästigungssituationen von Vorgesetzten oder höhergestellten Personen aus.


Maren Lansink, Geschäftsführende Vorständin der Themis ergänzt: „Unser mit viel persönlichem Engagement aufgebautes Seminar und Webinar Programm, das sich an Arbeitnehmer:innen, frei Arbeitende, Azubis, Studierende, Gleichstellungsbeauftragte und Vertrauenspersonen sowie mit anderen Formaten an Arbeitgeber:innen, Führungskräfte, Vertrauenspersonen und Verantwortliche in Beschwerdestellen richtet, zeigt Wirkung. Einerseits trauen sich die Beschäftigten endlich eher nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz Beschwerden einzureichen. Am Anfang gab es kaum jemand, der es wagte, sich mit einer Beschwerde an den Arbeitgeber zu wenden. Und auch auf Arbeitgeberseite scheint sich das Bewusstsein durchzusetzen, dass Prävention Sinn macht. Gleichzeitig bauen wir unser Beratungsangebot aus. Seit April bieten wir Chat-, Video- und Mailberatung an, datenschutzkonform und sicher. Die Themis Vertrauensstelle berät seit April komplett ortsunabhängig nun auch per Chat, Video oder Mail.

Pressekontakt:

SteinbrennerMüller Kommunikation
Kristian Müller, Dr. Kathrin Steinbrenner
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Tel.: 030 47372192