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Studienergebnisse zu Vielfalt vor und hinter der Kamera: Diskriminierung massives strukturelles Problem in der deutschen Filmbranche

29. April 2021

 

 

Die Mitte Juli bis Anfang November 2020 durchgeführte Online-Umfrage des Bündnisses Vielfalt im Film erhob umfassende Daten zu Diskriminierungs- und Diversitätserfahrungen in der deutschen Filmbranche. Über 6000 Teilnehmende beantworteten den Fragebogen. Die Themis Vertrauensstelle war sehr erfreut, mit ihrer Expertise zur Entwicklung des Fragebogenteils zu sexueller Belästigung und geschlechtsspezifischer Diskriminierung am Arbeitsplatz beitragen zu dürfen. An dieser Stelle möchten wir auf einige – für unsere Arbeit zentrale – Outcomes hinweisen.

 

Die Ergebnisse der wichtigen Untersuchung manifestieren erstmals, was für viele Filmschaffende in Deutschland, insbesondere Angehörige marginalisierter Gruppen, zum Alltag gehört. 3.202 befragte Filmschaffende haben Angaben zu Diskriminierungserfahrungen im Arbeitskontext gemacht. Davon gab über die Hälfte (51 %) an, in den letzten zwei Jahren Diskriminierung im Arbeitskontext erfahren zu haben, jede 20. Person (5 %) sogar ‘oft’ bis ‘fast immer’.

 

Besonders zentral für die Arbeit der Themis: 60% der Betroffenen berichteten von Diskriminierung aufgrund von Geschlecht. Auch intersektionale Verschränkungen der Ebenen Sexismus und Rassismus oder Sexismus und Altersdiskriminierung wurden genannt.

Wichtig ist auch der Umgang mit erlittener Diskriminierung: 70% der Betroffenen, die eine Angabe dazu gemacht haben, melden eine diskriminierende Erfahrung nicht in ihrem Arbeitskontext. Mehr als die Hälfte (58%) derjenigen, die sich am Arbeitsplatz beschwert hatten, berichten, dass ihre Meldung zu keinerlei Konsequenzen geführt habe.

 

 

 

Sexuelle Belästigung zeigt sich in dieser Studie als branchenweites und strukturelles Phänomen: 8 von 10 (81 %) der befragten Cis-Frauen, die eine Angabe dazu gemacht haben (N=2.587), haben angegeben, in den letzten zwei Jahren mehrfach sexuelle Belästigung im Arbeitskontext, über alle Branchenbereiche hinweg, erlebt zu haben.

Mehr als die Hälfte der Betroffenen (57%) behielten diese Erfahrungen für sich, nur jede dritte Person sprach in ihrem sozialen Umfeld darüber. Nur in jedem 200. Fall wurde eine Belästigung angezeigt.

 

 

Die Ergebnisse der Studie Vielfalt im Film verdeutlichen, wie dringend wirksame Maßnahmen gegen Diskriminierung und Belästigung, für mehr Chancengleichheit und Vielfalt im deutschen Film benötigt werden. Verbindliche Strukturen für Sensibilisierung, Schutz und Interventionen müssen etabliert und gestärkt werden.

 

Wir bedanken uns für die großartige Arbeit von Vielfalt im Film, Citizens for Europe und der beteiligten Filmschaffenden und hoffen auf weitere empirische Daten zu einzelnen Aspekten der Problemkomplexes von Diskriminierung in der deutschen Filmbranche.